SCM Solutions GmbH

Infor SyteAPS

Was unterscheidet SyteAPS von herkömmlicher MRP-Planung?

Der wesentliche Unterschied von Infor SyteAPS zu anderen Planungsverfahren und zu allen anderen APS-Systemen ist, dass es ein "verknüpftes" Netzplan-Konzept (hybrider PERT- und Vorgangsknoten-Netzplan) beinhaltet. Das bedeutet, dass Infor SyteAPS stets die Relation von Fertigungsaufträgen zu den Kundenaufträgen (sogar zu den einzelnen Auftragspositionen) und umgekehrt kennt. Jeder Kundenauftrag ist Eigentümer eines Netzplanes aller beteiligten Fertigungsaufträge. Andere APS-Systeme verlieren die Relation zum Kundenauftrag, wenn Fertigungsaufträge erzeugt werden, schlimmstenfalls terminieren sie die Fertigungsaufträge, ohne eine Verbindung zum Kundenauftrag zu haben. Das bedeutet, dass dann bei Änderungen der Fertigungsaufträge die Auswirkungen auf die Kundenaufträge unbekannt sind - und umgekehrt.

Infor SyteAPS plant und terminiert auf Basis der Primärbedarfe in Echtzeit unter Berücksichtigung von Material und Kapazität rekursiv über die Stücklisten. Darum kann SyteAPS einen gesicherten Liefertermin (quasi mit dem Kunden am Telefon) bei der Auftragseingabe oder Anfrage in Sekunden ermitteln. Andere Systeme benötigen hierfür Batchläufe, was bedeutet, dass eine gesicherte Lieferterminzusage erst mit Zeitversatz (nach der Durchführung dieses Batchlaufes) möglich ist.

Da Infor SyteAPS auf der Basis der Kundenaufträge terminiert, kann es die Fertigungsaufträge zum exakt benötigten Termin einschleusen. Alle für einen Kundenauftrag benötigten Fertigungsaufträge durchlaufen die Produktion exakt synchronisiert bei minimalen Durchlaufzeiten und minimalen Beständen. Jede Auftragsposition des Kundenauftrages wird simultan zum benötigten Zeitpunkt fertiggestellt.

Material und Kapazität:

Infor SyteAPS plant jeden Arbeitsgang von jedem Auftrag rekursiv über die Stückliste. Dabei werden Situationen vermieden, bei denen zwei verschiedene Arbeitsgänge dieselbe Ressource zur selben Zeit belegen (Vermeidung von Ressource-Kollisionen). Ermittelt Infor SyteAPS eine solche Kollision, passt es den geplanten Zeitpunkt für den Arbeitsgang des Auftrages mit der niedrigeren Priorität automatisch so an, dass ein machbarer Produktionsplan entsteht.

Materialbedarfe im Produktionsprozess werden nach Zukaufteilen und Eigenfertigungsteilen unterschieden. Infor SyteAPS plant beides zu dem Zeitpunkt ein, zu dem das Teil tatsächlich benötigt wird. Das heißt, Infor SyteAPS berücksichtigt die Zusammenführung von Teilen auf Montage-/Arbeitsgangebene und nicht etwa zum Start des ersten Montage-/Arbeitsganges. Dies ist insbesondere wichtig bei Produktionsprozessen (z. B. Schweißen) und Montageprozessen mit längerer Durchlaufzeit.

Materialverfügbarkeitsrestriktionen:

Bei der Einrichtung der Übernahme der Teilestammdaten vom ERP-System kann angegeben werden, ob die Verfügbarkeit eines Teiles mit begrenzter oder unbegrenzter Kapazität berücksichtigt werden soll (für jedes Teil einzeln oder global).

Wird bei einem Teil eine unbegrenzte Verfügbarkeit angegeben, ermittelt SyteAPS die Zeitpunkte, bei denen der geplante Bestand zur Erfüllung des Produktionsplanes eine Unterdeckung aufweist ("Exception"). Diese Information kann dazu benutzt werden, um die Wiederbeschaffung im Einkauf oder in der Produktion so zu steuern, dass der Produktionsplan erfüllt werden kann.

Wird eine begrenzte Verfügbarkeit für Zukaufteile eingestellt, verzögert SyteAPS die Bearbeitung bis ausreichend Material durch geplante Zugänge gegeben ist: entweder bis ein geplanter Zugang (Bestellung) eintreffen wird oder nach Ablauf der hinterlegten Wiederbeschaffungszeit (je nach dem was zuerst eintrifft). Für Eigenfertigungsteile mit gesetzter begrenzter Kapazität wird die Fertigung über die zugehörigen Stücklisten und Arbeitspläne eingeplant.

Genaue Liefertermine:

Kernfunktion des Designs von Infor SyteAPS ist die Fähigkeit, genaue Lieferterminzusagen zu ermitteln. Wenn ein neuer Auftrag oder eine Anfrage in Infor SyteAPS eingegeben wird, gibt der Planer einen gewünschten Liefertermin ein, um die Machbarkeit des Auftrages zu prüfen. Infor SyteAPS berechnet, ob dieser gewünschte Liefertermin eingehalten werden kann oder ermittelt einen frühest möglichen Liefertermin (ASAP-Termin: "As Soon As Possible"). Dieser Termin ist der früheste Liefertermin, den die Produktion ohne Änderung an dem bereits bestehenden Produktionsplan realisieren kann.

Der Liefertermin kann nun auf diesen ASAP-Termin, auf den ursprünglichen Kundenwunschtermin oder auf ein anderes Datum gesetzt werden. Wird der zugesagte Liefertermin auf früher als der ASAP-Termin gesetzt, wird von Infor SyteAPS zunächst die Teilmenge der Auftragsmenge angegeben, die bis zum gewünschten Liefertermin produzierbar ist und die erwartete Verspätung des Auftrages für die Restmenge angezeigt. Wird anschließend der gesamte Plan neu terminiert, kann dieser Termin wieder nach vorne rücken, da Aufträge mit höherer Priorität Kapazität und Material vor Aufträgen mit niedrigerer Priorität verbrauchen.

Verzögerte Starttermine aufgrund der Produktionsdynamik:

Infor SyteAPS legt keine statischen Übergangszeiten zugrunde. Es berechnet den geplanten Zeitpunkt für jeden Bearbeitungsschritt, stets unter Berücksichtigung begrenzter Kapazität und Materialverfügbarkeit. Auf Basis dieser Information synchronisiert Infor SyteAPS den Start von jedem Auftrag derart, dass eine termingerechte Fertigstellung des Kundenauftrages gewährleistet ist. Wenn z. B. bei einem großen Auftragsnetz ein Teil durch eine Störung im laufenden Produktionsprozess verzögert wird, synchronisiert Infor SyteAPS alle zugehörigen Fertigungsaufträge des Netzes automatisch auf diesen neuen Zustand. Damit werden alle Kapazitäten zum spätest notwendigen Termin belastet; die hierdurch freigewordene Kapazität steht für andere kritische Teile zur Verfügung. Dieser "verzögerte" Start garantiert minimale Bestände im Prozess (WIP) bei höchster Termintreue und minimalen Durchlaufzeiten.

Dynamische Materialreservierung:

Infor SyteAPS ordnet alle Halbfertigprodukte, zukünftige Lieferungen und In-Prozess-Bestände den Aufträgen "weich" zu. Diese Flexibilität erlaubt es Infor SyteAPS, flexibel auf neue Bedarfe, Störungen und Abweichungen in der laufenden Produktion zu reagieren. Wenn z. B. unerwartet ein Eil-Auftrag mit frühest möglichem Liefertermin (ASAP) eingelastet wird, kann Infor SyteAPS den Produktionsplan neu synchronisieren, in dem es Material und Kapazität aufgrund der sich geänderten Auftragsprioritäten neu zuordnet.

Echtzeit-Ausführung:

Die Entity-Relationship-Datenbank (ERDB) von Infor SyteAPS wird redundant im Hauptspeicher abgebildet und erlaubt dadurch Echtzeit-Lieferterminzusagen. Diese Struktur bewirkt ferner eine wesentlich höhere Effizienz und kürzeste Reaktionszeiten bei Änderungen in der Planung. Ein kompletter Planungsneuaufwurf benötigt meist nur noch Minuten statt wie bei herkömmlichen ERP-Systemen Stunden (abhängig von der Größe des Datenmodells).

Multidimensionale Sichten:

Infor SyteAPS bietet verschiedenste Sichten auf die Planung (aus Sicht der Aufträge, Ressourcen, Teile etc.). Diese können grafisch oder in Form von Reports dargestellt werden.

Auftragstermine:

Infor SyteAPS verwaltet vier Datumsfelder für Aufträge:

  • Erfassungsdatum, ohne Planungsrelevanz
  • Kundenwunschtermin
  • Zugesagter Liefertermin
  • Erwarteter Liefertermin

Auftragsprioritäten:

Der Algorithmus von Infor SyteAPS betrachtet stets einen vollständigen Auftrag (Kundenauftrag, Lieferabruf, Lagernachschubauftrag, Forecastauftrag etc.) über alle Fertigungsstufen gleichzeitig. Es plant den Auftrag, berücksichtigt simultan alle benötigten Ressource-Verfügbarkeiten und Materialbedarfe rekursiv über die kompletten Stücklisten bevor der nächste Auftrag eingeplant wird. Bei der Einplanung eines Auftrages reserviert Infor SyteAPS Material und Kapazität, der nächste Auftrag kann nur noch über die nicht reservierten Ressourcen (Kapazität und Material) verfügen. Die Reihenfolge dieser Einplanungssequenz kann vom Anwender eingestellt werden (Priorität, A/B/C-Kunden, gemäß nächstliegendem Liefertermin etc.).

Rückwärtsterminierung:

Wenn Infor SyteAPS einen Auftrag einplant (sei es inkremental bei der Lieferterminzusage oder gemäß Prioritäten während eines kompletten Planungsneuaufwurfes), wird zunächst rückwärts vom Liefertermin jede Auftragsposition eines Auftrages terminiert. Dabei wird zunächst die einzuplanende Menge für jedes Endprodukt berechnet unter Berücksichtigung von:

  • noch nicht reserviertem Bestand und geplantem zukünftigen Zugang von Komponenten,
  • Ausschuss und Schwund,
  • Mindestmengen und Losgrößen,
  • Sicherheits-/Mindestbeständen.
Ist ausreichend Bestand oder geplanter Zugang vorhanden um den Auftrag zu befriedigen, werden keine weiteren Schritte eingeleitet.

Ist dagegen offener Bedarf ermittelt worden (Eigenfertigung oder Zukaufteile), wird wie folgt vorgegangen:

  • Bauteile mit unbegrenzter Verfügbarkeit (Eigenfertigung oder Zukauf): keine weitere Planung notwendig. Infor SyteAPS plant den Bedarf zum benötigten Termin ein und nimmt entsprechende Verfügbarkeit an.
  • Zukaufteile mit begrenzter Verfügbarkeit: SyteAPS benutzt die hinterlegte Wiederbeschaffungszeit zur Bestimmung ob das Bauteil zum benötigten Termin verfügbar gemacht werden kann. Wenn nicht, scheitert die Rückwärtsterminierung und SyteAPS wechselt zur Vorwärtsterminierung. Kann das Teil über die Wiederbeschaffungszeit rechtzeitig verfügbar gemacht werden, ermittelt Infor SyteAPS den Bedarf und die Berechnung für dieses Zukaufteil ist beendet.
  • Eigenfertigungsteile mit begrenzter Verfügbarkeit: SyteAPS plant alle individuellen Bearbeitungsschritte rückwärts unter simultaner Berücksichtigung von Material und Kapazität. Die Rückwärtsterminierung scheitert, wenn ein Arbeitsgang mit ausreichend verbleibender Zeit für alle nachfolgenden Arbeitsgänge nicht rechtzeitig eingeplant werden kann. Zusätzlich betrachtet Infor SyteAPS den In-Prozess-Bestand (WIP) an jedem Arbeitsgang. Wenn an jedem Punkt ausreichend WIP für den Bedarf gefunden wurde, ist der rückwärts terminierte Plan vollständig und erfolgreich. Nach erfolgreicher Rückwärtsterminierung des aktuellen Teiles über seinen Arbeitsplan betrachtet Infor SyteAPS die Bauteile der nächst niedrigeren Stufe. Ab diesem Punkt werden alle Bauteile niedrigerer Stufe rekursiv rückwärts eingeplant. Scheitert die Terminierung eines Endproduktes (Auftragsposition), Bauteils oder Unterbaugruppe, scheitert die Rückwärtsterminierung des aktuellen Auftrages und eine Vorwärtsterminierung wird vorgenommen.
Vorwärtsterminierung:

Die Vorwärtsterminierung beginnt zum gegenwärtigen Zeitpunkt und berechnet den geplanten (frühesten) Fertigstellungstermin. Infor SyteAPS verwendet nicht reservierte Endproduktbestände und berücksichtigt Ausschuss und Schwund für Produktion und Montage. Mindestmengen und Losgrößen werden analysiert, um die Menge an herzustellenden Teilen zu bestimmen. Auch hier werden alle Bauteile und Unterbaugruppen der niedrigeren Stufen über die gesamte Stückliste berücksichtigt.

Die Hauptunterschiede zwischen Rückwärts- und Vorwärtsterminierung sind:

  • Die Vorwärtsterminierung plant zunächst die niedrigsten Stufen in der Stückliste bevor Bestand und Ressourcen für die Auftragsposition geplant werden. Somit setzen die Fertigstellungstermine der Komponenten niedrigerer Stufen die Starttermin für die Baugruppen der nächst höheren Stufe.
  • Im Vorwärtsterminierungslauf wird jeder Arbeitsgang im Arbeitsplan des Bauteiles vorwärts eingeplant, von der ersten zur letzten Bearbeitung.
  • Die letzte Aktion der Vorwärtsterminierung ist die Prüfung des zukünftigen (geplanten) Zugangs. Diese Prüfung wird deshalb als letztes vorgenommen, da Infor SyteAPS zunächst den geplanten Fertigstellungstermin ermitteln muss bevor ermittelt wird, ob über einen Werksauftrag entsprechender Bestand früher eintrifft und verwendet werden kann.
    Ist die Vorwärtsterminierung abgeschlossen, so wird der späteste Fertigstellungstermin einer Auftragsposition zum geplanten Fertigstellungstermin des Kundenauftrages gesetzt.

Schlupfreduzierung:

Wenn Infor SyteAPS eine Vorwärtsterminierung durchführt, berechnet es den frühesten möglichen Fertigstellungstermin für eine Auftragsposition unter gegebenem Kapazitätsangebot und Auftragspriorität. Für Arbeitsgänge auf dem kritischen Pfad dieses Auftrages plant SyteAPS Auftragspositionen korrekt ein. Allerdings können nicht-kritische Komponenten für benötigten Bedarf früher als notwendig entstehen. Diese nicht-kritischen Pfade werden wieder über einen "Pull" (Rückwärtsterminierung) optimiert, und damit die Durchlaufzeit optimiert und übermäßiger Schlupf im Produktionsplan eliminiert.

Dieser dritte Lauf ist im Prinzip wieder ein Rückwärtsterminierungslauf vom geplanten Starttermin des letzten Arbeitsganges beginnend rückwärts. Er verzögert den Start von allen nicht-kritischen Komponenten und deren Bearbeitungen ohne die Komponenten auf dem kritischen Pfad zu beeinflussen. Das Resultat ist ein Produktionsplan mit den geringst möglichen Durchlaufzeiten bei minimalen Beständen.

Analysen:

Nach erfolgter Planung stehen dem Benutzer diverse Analyse-Funktionen zur Verfügung:

  • Kritsche-Pfad-Analyse
  • Termin-Analyse
  • Kapazitäts-Analyse
  • Material-Analyse
Bei der Analyse des kritischen Pfades weist SyteAPS bei verspäteten Aufträgen aus, was die Ursache für eine nicht termingerechte Fertigstellung des geplanten Auftrages ist: fehlende Fertigungskapazität oder fehlendes Material. Damit kann der Planer zielgerichtet und proaktiv Maßnahmen ergreifen, um die geplante Verspätung zu vermeiden: Überstunden/Sonderschichten, Personaleinsatzplanung oder verkürzte Wiederbeschaffungszeiten von Kaufteilen.

Mittels sogenannter "Was-wäre-wenn"-Szenarien (Simulationen) kann die Wirkung dieser Maßnahmen vorab geprüft werden. Es kann also sicher gestellt werden, dass sich z. B. die Sonderschicht und die damit verbundenen Kosten in einem Fertigungsbereich tatsächlich auf die Liefertermine entsprechend auswirkt (also auch alle anderen Komponenten zu diesem früheren Zeitpunkt verfügbar gemacht werden können), oder sich der Engpaß nur in einen anderen Fertigungsbereich verlagert.

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